Polarlichter fotografieren

Einleitung

Was sind Polarlichter und wie entstehen sie?

Polarlichter sind zum Leuchten angeregte Atome und Moleküle in der Atmosphäre. Sie zeigen sich durch in verschiedenen Farben leuchtende Bänder oder Flecken am Himmel. Diese entstehen durch Interaktionen des Sonnenwindes mit dem Erdmagnetfeld und der Atmosphäre. Die Sonne schickt ständig geladene Teilchen in Richtung Erde. Das ist der sogenannte Sonnenwind. Durch das Magnetfeld der Erde werden wir vor diesem ständigen Beschuss geschützt und es dringt nur wenig vom Sonnenwind in die Erdatmosphäre ein. Bei starken Sonneneruptionen mit einem sogenannten koronalen Massenauswurf gelangen besonders viele Teilchen mit extrem hohen Geschwindigkeiten von bis zu über 1000km/s zur Erde. Diese stauchen das Erdmagnetfeld zusammen und werden durch die Form des Erdmagnetfeldes zu den Polen hin abgelenkt und dringen in die Erdatmosphäre ein. Durch diesen Vorgang werden Sauerstoff und Stickstoffatome zum leuchten angeregt.

Polarlichter entstehen in einer Höhe von 80 bis 600km. 
Je nach Höhe und angeregter Atome und Moleküle, leuchten Polarlichter in verschiedenen Farben. 
Grünes Polarlicht entsteht in einer Höhe von 100 km. In einer Höhe von 200 km entsteht ein rotes Polarlicht. Die Farben entstehen durch zum leuchten angeregten Sauerstoff. In größerer Höhe über 200 km treten eher seltene blaue und violette Farben auf, welche durch zum leuchten angeregten Stickstoff entstehen.

Polarlichter in Deutschland

Wann kann man Polarlichter in Deutschland fotografieren?

Polarlichter sind ein bekanntes Phänomen in hohen Breiten rund um die Polarregionen und in Deutschland nur selten zu beobachten. Sie treten nur unter bestimmten Voraussetzung auf, sind aber doch nicht so ungewöhnlich wie man denkt.
Wenn ein außergewöhnlich starker geomagnetischer Sturm auf die Erde trifft, können Polarlichter bis in mittlere Breiten sichtbar sein. Bei besonders starker Sonnenaktivität kann sich das Polarlichtoval weit nach Süden verschieben.

Die richtige Wahl des Motivs

Idealerweise befindest du dich zur Beobachtung von Polarlichtern an einem dunklen Ort, mit geringer Lichtverschmutzung. Da die Polarlichter über den nördlichen Breiten auftreten, musst du nach Norden schauen. Achte darauf, dass du weiten freien Blick auf den Himmel und den Horizont hast. Die besten Bedingungen findest du am Meer, da du dort 100% freie Sicht auf den Horizont hast. Alternativ kannst du weitläufiges flaches Gelände aufsuchen, bei dem sich störende Objekte wie Berge, Bäume, Häuser oder Ähnliches weit genug von dir entfernt befinden. Eine weitere Möglichkeit wäre es, auf einen Berg hinauf zu fahren. Von dort hast du ebenfalls freie Horizont sicht.

Lichtverschmutzung durch künstliche Lichtquellen

Je nach Helligkeit der Polarlicht spielt die Lichtverschmutzung eine große Rolle.
Vor allem die Beleuchtung der Städte ist hier ein großer Faktor.
Du solltest einen dunklen Ort aufsuchen, an dem die Polarlichter nicht von der Lichtverschmutzung überstrahlt werden und du die Polarlichter gut sehen und fotografieren kannst.

Um eine geeignet Location zu finden kannst du eine Lichtverschmutzungskarte nutzen.
Diese zeigt mit einem farblichen Overlay den Grad der Lichtverschmutzung an.
Graue, blau und grüne Bereiche zeigen eine geringe Lichtverschmutzung während gelb, orange und rot eine hohe Lichtverschmutzung.
Suche dir eine Location in einem Bereich mit geringer Lichtverschmutzung und achte ebenfalls darauf das in richtung Norden mindestens 20km keine weitere größere Lichtverschmutzung ist.

Lichtverschmutzung durch natürliche Lichtquellen

Nicht nur das Kunstlicht der Städte kann den Himmel aufhellen. Auch der Mond, welcher das Sonnenlicht reflektiert erhellt den Nachthimmel, je nach Mondphase stärker oder schwächer.

Mögliche Motive und Locations

Polarlichter mit Milchstraße

Im Mai 2024 gab es in der Nacht vom 10. auf 11. Mai eine der stärksten Polarlichter der letzten 20 Jahre.
Zu diesem Zeitpunkt war die Sommermilchstraße ebenfalls sichtbar und dieses Panorama der Polarlichter zusammen mit dem Milchstraßenbogen ist entstanden.
In dieser Nacht war der Himmel klar und der Mond hat nicht gestört.
Die erhöhte Standort auf einem Berg mit etwa 950m über NHN, ermöglichte eine freie Sicht bis zum Horizont und maximale Sichtbarkeit der Polarlichter.

Polarlichter mit Startrails

Polarlichter kannst du perfekt zusammen mit Startrails (Sternstrichspuren) kombinieren, da beides am Nordhimmel fotografieren kannst.

Polarlichter als Panorama

Um die Ausdehnung der Polarlichter am Himmel gut zeigen zu können, ist eine Panorama-Aufnahme der Polarlichter zu empfehlen.

Polarlichter vorhersagen

Wie kann man Polarlichter vorhersagen?

Polarlichter wirken oft zufällig und unberechenbar. Tatsächlich lassen sich ihre Chancen jedoch relativ gut einschätzen, wenn man bestimmte Faktoren beobachtet. Eine exakte Vorhersage auf die Minute ist zwar nicht möglich, doch mit dem richtigen Wissen kann man sehr gut abschätzen, wann sich das Warten lohnt.

Ob Polarlichter sichtbar werden, hängt vor allem von der Sonnenaktivität und der Wechselwirkung zwischen Sonnenwind und Erdmagnetfeld ab. Entscheidend sind dabei die Stärke und Geschwindigkeit des Sonnenwinds, die Ausrichtung des interplanetaren Magnetfeldes (Bz-Wert) sowie der KP-Index als Maß wie weit das Polarlicht nach Süden voran kommen kann.

Der KP-Wert

Der KP-Wert oder KP-Index ist ein Maß dafür, wie weit nach Süden Polarlichter sichtbar werden können. Je Höher der Wert desto weiter richtung Äquator können Polarlichterscheinungen auftreten. 
KP 0-2 = schwache Polarlichtaktivität. 
KP 3-5 = mittlere bis starke Aktivität. Man kann Polarlichter in hohen Breiten (Island, Norwegen etc.) sehen.
KP 5-7 = Man kann Polarlichter bis nach Norddeutschland sehen.
KP 8-9 = Man kann Polarlichter bis in die Alpen sehen.

Wetterbedingungen für Polarlicht-Fotografie

Um Polarlichter sehen zu können, brauchst du natürlich klaren Himmel. Wolken würden die Sicht auf die Polarlichter stören.

Aber nicht nur an deinem eigenen Standort sollte es wolkenfrei sein, sondern auch in Richtung Norden dürfen keine störenden Wolken sein.

Es gibt Wolken in verschiedenen Höhen. Man unterteilt diese in niedrige, mittlere und hohe Wolken. Je höher die Wolken sind, desto höher stehen sie bei gleichem Abstand zu dir als Betrachter über dem Horizont und stören die Sicht auf die Polarlichter.

Je weniger hohe Wolken also am Himmel sind, desto bessere Sicht hast du auf die Polarlichter. Niedrigere Wolken sind weniger problematisch. Wolken die sich in andere Himmelsrichtungen befinden, stören nicht.

Achte auf klaren Himmel an deinem Standort und einen entsprechenden Abstand zur nächsten Wolkenkante.

WolkenhöheEntfernung, ab der der Horizont frei ist
Niedrige Wolkenca. 150 km
Mittlere Wolkenca. 300 km
Hohe Wolkenca. 400 km

Fotografieren der Polarlichter

Kameraausrüstung

Eines können wir dir vorneweg schon verraten. Du brauchst keine Spezialausrüstung, um die Polarlichter zu fotografieren. Deine Kamera sollte die Möglichkeit besitzen ISO, Belichtungszeit und Blende manuell einzustellen. Außerdem benötigst du ein Stativ, um verwacklungsfreie Aufnahmen machen zu können. Ein Fernauslöser hilft dir dabei, die Aufnahme zu starten, ohne dabei die Kamera zu berühren und Verwacklung beim Start der Aufnahme zu vermeiden.

Um möglichst viel Himmel ins Bild zu bekommen und die große Ausdehnung der Polarlichter zeigen zu können, solltest du ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv nutzen. Idealerweise fotografierst du im Bereich zwischen 14 und 24mm (Vollformat) und einer Blendenöffnung von f2.8 oder geringer.

Die Kameraeinstellungen:

Die Polarlichter sind ständig in Bewegung. Um die Struktur in den Polarlichtern zu erhalten, darf die Belichtungszeit nicht zu lang sein. Wir empfehlen nicht länger als 15 Sekunden zu belichten. Um in der gewählten Belichtungszeit so viel Licht wie möglich zu sammeln, öffne die Blende so weit es geht. Um die Helligkeit deines Fotos zu regulieren, nutze den ISO und stelle ihn nur so hoch wie es für deine Kamera noch sinnvoll ist.

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