Leuchtende Nachtwolken fotografieren

Leuchtende Nachtwolken, auch Noctilucent Clouds (NLC) genannt, gehören zu den seltensten und zugleich eindrucksvollsten Wolkenphänomenen unserer Atmosphäre. Sie erscheinen spät in der Dämmerung oder in der Nacht als silbrig-bläulich leuchtende Strukturen am Nordhorizont.

Was sind leuchtende Nachtwolken und wie entstehen sie?

Leuchtende Nachtwolken entstehen in der Mesosphäre, in etwa 80 bis 85 Kilometern Höhe und sind somit deutlich höher als gewöhnliche Wolken. Sie bestehen aus extrem feinen Eiskristallen, die sich an winzigen Staubpartikeln anlagern.

Im Sommer, wenn es in mittleren Breiten bereits dunkel ist, die Sonne aber in hohen Breiten nicht untergeht, leuchtet diese die Wolken an. Durch die enorme Höhe der Wolken von über 80km können wir die angeleuchteten Wolken über die Erdkrümmung hinweg als silbrig-bläuliche Strukturen über dem Horizont sehen.

Wann und wo sind leuchtende Nachtwolken sichtbar?

In Mitteleuropa treten leuchtende Nachtwolken zwischen Ende Mai und Mitte August auf, mit einem Höhepunkt im Juni und Juli. Die beste Beobachtungszeit ist etwa 1,5 bis 2,5h Stunden vor Sonnenaufgang bzw. nach Sonnenuntergang. Im Juni sind die Nächte in Deutschland so kurz, dass man sie bei starker Intensität fast die gesamte Nacht beobachten kann.

Sichtbar sind sie in nördlicher Richtung, oft knapp über dem Horizont. Besonders gut lassen sie sich fernab von Lichtverschmutzung und bei freier Sicht auf den Horizont beobachten.
In Norddeutschland sind Sichtungen auf Grund der geografischen Lage häufiger.

Erscheinungsformen

Leuchtende Nachtwolken zeigen sich als, feine Strukturen und Muster. Je nach Intensität und atmosphärischer Bewegungen können sie als wellenartige Bänder oder netzartige Strukturen auftreten.

Diese filigranen Formen entstehen durch atmosphärische Wellen und Windströmungen in der Mesosphäre.

Leuchtende Nachtwolken fotografieren

Für leuchtende Nachtwolken gibt es keine klare Empfehlung für die Kameraeinstellungen
Diese hängen von vielen Faktoren, wie der Helligkeit und der genauen Dämmerungsphase, der Bewegungsgeschwindigkeit der NLC’s ab.
Je nach Faktoren ist es Sinnvoll eine bestimmte Belichtungszeit oder Blende vorzugeben, welche die Wahl der restlichen Parameter vorgibt bzw. beeinflusst.

Hierfür ist es wichtig die Zusammenhänge von ISO, Belichtungszeit und Blende zu kennen und zu verstehen.
Solltest du mit diesen Themen noch nicht vertraut sein, dann schau dir unsere Grundlagenkurse an.

Je nach Bildwirkung kannst du leuchtende Nachtwolken sowohl mit dem Weitwinkel als auch mit höheren Brennweiten fotografieren:

  • Weitwinkelobjektive eignen sich für großflächige Displays
  • längere Brennweiten betonen Details und Strukturen

Freie Sicht nach Norden auf den Horizon und ein bis zum Horizont wolkenfreier Himmel sind entscheidend. Leuchtende Nachtwolken lassen sich auch sehr gut mit Motiven in der Landschaft kombinieren.

Leuchtende Nachtwolken vorhersagen

Die Vorhersage von Leuchtenden Nachtwolken (NLC) unterscheidet sich deutlich von klassischen Wetterprognosen. Da NLC in der Mesosphäre in rund 80–85 Kilometern Höhe entstehen, spielen bodennahe Wettermodelle keine Rolle. Dennoch gibt es einige Werkzeuge und Anzeichen, mit denen sich die Chancen auf eine Sichtung gut einschätzen lassen.

Das OSWIN-Mesosphärenradar

Ein zentrales Instrument zur NLC-Beobachtung ist das OSWIN-Radar (Ostsee-Wind-Radar) des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik. Dieses spezielle Radar misst Reflexionen in der Mesosphäre und kann dort Eispartikel und Strukturen nachweisen, die in direktem Zusammenhang mit leuchtenden Nachtwolken stehen.

Zeigt das OSWIN-Radar deutliche Signale in Höhen um etwa 80 bis 90 Kilometer, ist dies ein starker Hinweis auf vorhandene NLC-Strukturen, selbst dann, wenn diese visuell noch nicht überall sichtbar sind.

Wichtig dabei:

  • Das Radar zeigt keine Wolkenbilder, sondern zurück gestreute Signale
  • Ein positives Signal bedeutet hohe Wahrscheinlichkeit, aber keine Garantie für Sichtbarkeit am eigenen Standort
  • Die Ausdehnung der NLC kann sich schnell verändern

Was das OSWIN-Radar nicht zeigt

Das OSWIN-Radar ist keine klassische Vorhersage. Es zeigt, was aktuell in der Mesosphäre passiert, aber nicht was in den nächsten Stunden passieren wird. Trotzdem kann die Signalstärke eine Einschätzung geben, ob es eine Wahrscheinlichkeit für die Sichtung von leuchtenden Nachtwolken gibt. Das OSWIN-Radar zeigt hierbei lediglich die Signale für NLC’s, die Sichtbarkeit am Boden hängt zusätzlich ab von:

  • geografischer Lage (je nördlicher desto besser)
  • Blickrichtung (Nordhorizont)
  • Bewölkung in Troposphäre und Stratosphäre (nutze für die Wolkenvorhersage den Parameter Bedeckungsgrad auf einer Wettervorhersage-Seite)
  • Dämmerungsphase und Sonnenstand

Weitere Faktoren für eine erfolgreiche NLC-Beobachtung

Neben dem OSWIN-Radar spielen weitere Punkte eine Rolle:

  • Saison: Ende Mai bis Mitte August
  • Tageszeit: meist zwischen 22:30 und 02:00 Uhr
  • Himmel: klarer Nordhorizont
  • Dynamik: NLC können sich innerhalb weniger Minuten verstärken oder auflösen

Besonders in klaren Sommernächten lohnt es sich, auch kurzfristig nachzuschauen, selbst wenn die Prognose unsicher ist.

Aktuelle Werte für NLC’s

Wichtig! Das OSWIN-Radar funktioniert nur während der Saison der NLC’s. Solltest du hier nur eine weiße Fläche und keine Werte sehen, ist es abgeschaltet.

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