Einleitung
Was ist Deep-Sky-Fotografie?
Deep-Sky-Fotografie ist ein Teilbereich der Astrofotografie, der sich mit dem Fotografieren verschiedener Objekte wie zum Beispiel Galaxien, Nebel und Sternhaufen am Nachthimmel.
Oft handelt es sich hierbei um sehr lichtschwache Objekte und feine Strukturen. Um diese Fotografieren zu können muss man sehr viel Belichtungszeit sammeln.
Equipment für Deep-Sky-Fotografie
Die Kamera
DSLR- und DSLM-Kameras & Astromodifikation
Für die Deep-Sky-Fotografie, also die Aufnahme von Nebeln, Galaxien und Sternhaufen, ist die Kamera ein entscheidendes Werkzeug. Anders als bei der klassischen Landschafts- oder Alltagsfotografie stoßen herkömmliche Kameras hier schnell an physikalische Grenzen. Dennoch eignen sich moderne DSLR- und spiegellose Systemkameras (DSLM) sehr gut für den Einstieg in die Deep-Sky-Fotografie.
DSLR- und DSLM-Kameras (spiegellose Systemkameras) haben im Vergleich zu klassischen Astro-Spezialkameras einen großen Bildsensor und decken ein weites Bildfeld ab. Das macht sie besonders attraktiv für großflächige Deep-Sky-Objekte wie Emissionsnebel oder Galaxienhaufen.
Vorteile von DSLR/DSLM-Kameras:
- Große Sensoren (APS-C oder Vollformat)
- Hohe Flexibilität durch wechselbare Objektive und Teleskope
- Nutzung auch für Alltagsfotografie
- Große Auswahl am Gebraucht- und Zubehörmarkt
- Direkte Farbbilder (One-Shot-Color)
Nachteile im Vergleich zu dedizierten Astrokameras:
- Höheres thermisches Rauschen
- Meist keine aktive Sensorkühlung
- Eingebaute Filter schränken die Empfindlichkeit ein
Der letzte Punkt, die interne Filterung, lässt sich durch die Astromodifikation der Kamera beheben.
Astromodifikation – was bedeutet das?
Einige Deep-Sky-Nebel, insbesondere Emissionsnebel, senden ihr Licht hauptsächlich in der H-Alpha-Linie bei etwa 656 nm aus. Genau dieser Wellenlängenbereich wird von herkömmlichen Kameras jedoch stark gedämpft.
Der Grund:
DSLR- und DSLM-Kameras besitzen ab Werk einen IR-/UV-Sperrfilter, der Farben für die Tageslichtfotografie „korrigiert“. Wäre dieser Filter nicht eingebaut, hätten Tageslichtfotos einen Rotstich. Dieser Filter blockiert einen großen Teil des roten Lichts und damit auch einen Großteil des H-Alpha-Signals aus Wasserstoffnebeln.
Die Folge Nebel wirken schwach, farblos oder sind garnicht zu sehen.
Was passiert bei der Astromodifikation
Astromodifikation ist der Umbau einer Kamera, um ihre Empfindlichkeit für bestimmte Wellenlängen, insbesondere H-Alpha, deutlich zu erhöhen.
Man unter scheidet zwischen einer Teilmodifikation (H-Alpha-Modifikation) und der Vollspektrum-Modifikation.
Die H-Alpha-Modifikation ist die gängigste Variante für DSLR- und DSLM-Kameras.
Hierbei wird der original Sperrfilter durch einen Astrofilter ersetzt, welcher die H-Alpha-Linie passieren lässt, aber UV- und IR-Licht trotzdem blockt.
Die Kamera ist mit einem OWB-Filter, den man einfach vor den Sensor setzen kann, auch weiterhin für den Alltagsgebrauch nutzbar.
Bei der Vollspektrum-Modifikation, wird der UV- IR-Sperrfilter, vollständig entfernt. Die Kamera ist jetzt für alle Wellenlängen, von UV bis IR empfindlich, aber nicht mehr universell einsetzbar.
Astromodifikation vs. ohne Astromodifikation
Unmodifizierte Kameras eignen sich durchaus für Galaxien, Sternhaufen, Reflexionsnebel und die Milchstraße. Also für alle Objekte welche Licht im sichtbaren Spektrum ausstrahlen.
Für Emissionsnebel hingegen ist eine astromodifizierte Kamera klar im Vorteil. Wer sich intensiver mit Deep-Sky-Fotografie beschäftigt oder gezielt Wasserstoffnebel fotografieren möchte, wird früher oder später von einer Modifikation profitieren.
Da viele Objekte aus Wasserstoff bestehen, lohnt sich eine Astromodifikation und bringt ganz neue Möglichkeiten für die Deep-Sky-Fotografie.
Fazit
DSLR- und DSLM-Kameras sind ein hervorragender Einstieg in die Deep-Sky-Fotografie und ermöglichen beeindruckende Ergebnisse, besonders in Kombination mit einer Nachführung und Bildbearbeitung.
Die Astromodifikation erweitert das Potenzial dieser Kameras erheblich und macht sie erst wirklich „himmelstauglich“. Sie ist kein Muss für den Einstieg, aber ein nächster Schritt für alle, die tiefer in die Welt der Nebel, Gaswolken und kosmischen Strukturen eintauchen möchten.
Objektive
In der Deep-Sky-Fotografie müssen nicht zwingend Teleskope eingesetzt werden. Auch klassische Kameraobjektive eignen sich hervorragend, um Galaxien, Nebel, oder Sternhaufen aufzunehmen. Insbesondere in Kombination mit einer Nachführung. Sie bieten einen vergleichsweise einfachen Einstieg, sind vielseitig einsetzbar und erlauben je nach Brennweite unterschiedliche Bildwirkungen.
Mit klassischen Objektiven hat man oft eine hohe Flexibilität bei kompaktem Equipment, da Kameraobjektive deutlich kleiner als die meisten Teleskope sind.
Brennweite und Blende
Die Lichtstärke ist der entscheidende Faktor für die Deep-Sky-Fotografie.
Kameraobjektive sind oft Lichtstärker und kompakter als die meisten Teleskope. Zudem bieten Lichtstarke Zoom-Objektive maximale Flexibilität.
Mit der flexiblen Brennweite und guten Lichtstärke eines beispielsweise 70-200mm f/2.8 lassen sich sowohl große Nebel einzeln, als auch ganze Nebelregionen oder Übersichtsaufnahmen mehrerer Objekte fotografieren.
Für bildfüllende Detailaufnahmen kleinerer Nebel sind oft Brennweiten ab 400mm optimal.
Diese kann man auch mit einem Tele-Zoom wie zum Beispiel einem 150-600mm, 100-400mm oder vergleichbaren Objektiven fotografieren.
Diese Objektive haben bei höchster Brennweite oft eine maximale Offenblende von f/6.3 oder höher.
Auch mit diesen Objektiven ist es möglich, beeindruckende Deep-Sky-Fotos aufzunehmen, es wird nur mehr Belichtungszeit benötigt um entsprechend viel Licht zu sammeln.
Jede volle Blendenstufe weniger Licht verdoppelt die notwendige Gesamtbelichtungszeit.
Vergleich der Belichtungszeit
| Blende | Lichtmenge ggü. f/2.8 | benötigte Belichtungszeit |
|---|---|---|
| f/2.8 | 1× | 10 h |
| f/4 | ½ Licht (−1 Stop) | 20 h |
| f/5.6 | ¼ Licht (−2 Stops) | 40 h |
| f/8 | ⅛ Licht (−3 Stops) | 80 h |
Fazit
Klassische Kameraobjektive, vor allem mit guter Lichtstärke, sind für Deep-Sky-Fotografie sehr gut geeignet. Mit der richtigen Brennweite, guter Abbildungsleistung und einer geeigneten Nachführung lassen sich beeindruckende Aufnahmen von Nebeln, Galaxien und Sternhaufen realisieren, ganz ohne Teleskop. Sie eignen sich sowohl für Einsteiger als auch für fortgeschrittene Astrofotografen, die flexibel und mobil arbeiten möchten.
Nachführung
Was ist eine Nachführung?
Eine Nachführung oder Startracker ist ein technisches Gerät, das die scheinbare Bewegung des Sternenhimmels ausgleicht.
Die Erde dreht sich um ihre eigene Achse wodurch Sterne, Nebel, Galaxien und andere Himmelskörper scheinbar am Himmel wandern. Für das bloße Auge ist diese Bewegung kaum wahrnehmbar. Bei längeren Belichtungszeiten mit der Kamera wird die Bewegung der Sterne sichtbar und man bekommt die klassischenStern-Strichspuren.
Die Nachführung führt die Kamera oder das Teleskop exakt mit der Erdrotation mit. Dadurch bleiben die Himmelsobjekte während der Belichtung auch bei langen Belichtungszeiten punktförmig und scharf.

Startracker FornaxLightrackII mit Gegengewicht + Kamera Setup Sony A7III (astromodifiziert) mit dem Sony 400mm f/2.8
Warum ist eine Nachführung notwendig?
Ohne Nachführung sind nur sehr kurze Belichtungszeiten möglich. Je nach Brennweite entstehen bereits nach wenigen Sekunden sichtbare Sternspuren.
Mit zunehmender Brennweite verstärkt sich dieses Problem deutlich.
Eine Nachführung ermöglicht deutlich längere Belichtungszeiten, die gerade für lichtschwache Objekte erforderlich sind.
In der Deep-Sky-Fotografie ist eine Nachführung daher unverzichtbar.
Astrofotografie Filter
In der Deep-Sky-Fotografie sind Filter für einige Objekte sind ein entscheidendes Werkzeug . Sie sind maßgeblich für Details, Kontrast und Tiefe der Objekt auf deinen Fotos. H-Alpha- und OIII-Filter sind für Nebelaufnahmen nahezu unverzichtbar. Filter wie UHC- und Breitbandfilter sind flexible Möglichkeiten für verschiedenste Objekte und Situationen. Sie sind optimal für den Einstieg in die Deep-Sky-Fotografie.
Die richtige Filterwahl hängt immer vom Zusammenspiel aus Objekt und Aufnahmeort ab.
Doch richtig eingesetzt eröffnen Filter eine völlig neue Dimension der Astrofotografie.
Willst du mehr über Filter in der Deep-Sky-Fotografie erfahren, dann schau dir unseren Artikel Filter in der Deep-Sky-Fotografie an.

Astrofotografie Filter
Tipps für den Einstieg
Einfache Deep-Sky-Objekte
Zwei Objekte für den Einstieg am Winterhimmel (November bis März)
1. Orion-Nebel (M42)
Der Orion-Nebel ist ein Emissionsnebel im Sternbild Orion und ein sehr aktives Sternentstehungsgebiet.
Er befindt sich rund 1350 Lichtjahre entfernt.
Die typische bläuliche Farbe der Nebel in den Plejaden entsteht durch das reflektierte Licht junger, heißer Sterne. Den Orion-Nebel, kann man im „Schwert“ unterhalb der drei Gürtelsterne des des Sternbild sogar mit bloßem Auge oder Fernglas als kleinen schwachen Fleck erkennen.


Mit 200mm Brennweite kannst du den Orion-Nebel zusammen mit dem Pferdekopfnebel fotografieren. Diese Region ist sehr spannend, da sie einige Wasserstoffnebel und Dunkelnebel enthält
Vorteile im Überblick
- astromodifizierte Kamera nicht unbedingt notwendig
- keine Filter notwendig
- mit Brennweiten von 200-600mm zu fotografieren
- gute Ergebnisse mit wenig Belichtungszeit
- einfach am Himmel zu finden (sogar mit bloßem Auge sichtbar)
Benötigtes Equipmet
- Stativ
- Kamera (mit Astromodifikation von Vorteil)
- Objektiv (Brennweitenbereich 200-600mm) je nach Verfügbarkeit
- Fernauslöser (Programmierbar) für Intervallaufnahmen
- Nachführung

Einzelbelichtung des Orion-Nebels mit 60 Sekunden Belichtungszeit ohne Astromodifikation

Einzelbelichtung des Orion-Nebels mit 60 Sekunden Belichtungszeit ohne Astromodifikation mit kleiner Bearbeitung und Crop
2. Plejaden (M45)
Die Plejaden auch Siebengestirn gennant, sind ein offener Sternhaufen mit Reflexionsnebeln im Sternbild Stier (Taurus).
Sie befinden sich rund 440 Lichtjahre entfernt.
Die typische bläuliche Farbe der Nebel in den Plejaden entsteht durch das reflektierte Licht junger, heißer Sterne.

Umgeben sind die Plejaden von zahlreichen Dunkelnebeln.
Hier lohnt sich als defintiv nicht nur eine Detailaufnahme der Plejaden selbst sondern auch Aufnahmen mit 100-200mm Brennweite.
Für eine Detailaufnahme sind mindestens 400-600mm Brennweite zu empfehlen. Oft sind Telezooms wie zum Beispiel ein 150-600mm oder 100-400mm eher Lichtschwach mit eine maximalen Offenblende von f/5.6 bis f/8.
Um die Vorteile einer Offenblende zu nutzen, kannst du für die Plejaden eine 135mm f/1.8 Festbrennweite oder ein 70-200mm f/2.8 nutzen. Durch die Lichtstärke kommen die Dunkelnebel bereits nach wenigen Stunden Belichtungszeit sehr gut raus.
Vorteile im Überblick
- keine astromodifizierte Kamera notwendig
- keine Filter notwendig
- mit Brennweiten von 135-600mm zu fotografieren
- gute Ergebnisse mit wenig Belichtungszeit
- einfach am Himmel zu finden (sogar mit bloßem Auge sichtbar)
Benötigtes Equipmet
- Stativ
- Kamera
- Objektiv (Brennweitenbereich 135-600mm) je nach Verfügbarkeit
- Fernauslöser (Programmierbar) für Intervallaufnahmen
- Nachführung
Für die Plejaden benötigst du weder eine astromodifizierte Kamera noch Filter. Aus diesem Grund ist dies ein ist dieses Objekt perfekt für den Einstieg geeignet.
Zwei Objekte für den Einstieg am Sommerhimmel (Mai bis September)
1. Nordamerikanebel (NGC 7000)
Der Nordamerikanebel im Sternbild Schwan und ist etwa 2000-3000 Lichtjahre entfernt.
Seinen Namen hat der Nebel, wegen seiner Form.
Diese erinnert sehr an den nordamerikanischen Kontinent.
Der Nebel besteht größtenteils aus Wasserstoff.
Zu finden ist der Nebel direkt neben dem Stern „Deneb“, quasi dem Hinterteil des Schwans.


Für dieses Objekt ist eine astromodifizierte Kamera erforderlich und ein UHC- oder besser H-Alpha-Filter empfehlenswert. Bereits ab 50mm Brennweite, kannst du den Nordamerika in einer Wide-Field-Aufnahme mit sämtlichen Wasserstoffnebeln wie den Schmetterlingsnebel, Elefantenrüsselnebel, Cygnus-Loop und einigen weiteren Strukturen in seiner Umgebung fotografieren.
Vorteile im Überblick
- mit Brennweiten von 50-600mm zu fotografieren
- einfach am Himmel zu finden
Benötigtes Equipmet
- Stativ
- Kamera (astromodifiziert)
- Objektiv (Brennweitenbereich 135-600mm) je nach Verfügbarkeit
- H-Alpha- oder UHC-Filter
- Fernauslöser (Programmierbar) für Intervallaufnahmen
- Nachführung
2. Andromedagalaxie (M31)
Die Andromeda-Galaxie liegt wie der Name vermuten lässt im Sternbild Andromeda mit einer Entfernung von Rund 2,5 Millionen Lichtjahren. Sie ist eine eigene Galaxie, so wie unsere Milchstraße und das nächste Objekt außerhalb unserer Milchstraße. Unter perfekten Bedingungen und dunklem Himmel, ist sie sogar mit dem bloßen Auge zu erkennen.

Für beeindruckende Aufnahmen der Andromeda-Galaxie sind weder Filter noch eine astromodifizierte Kamera notwendig, da das meiste Licht der Galaxie im sichtbaren Bereich strahlt. Optional kann man mit einer astromodifizierten Kamera und H-Alpha-Filter feine Wasserstoff-Strukturen in der Galaxie rausholen.
Vorteile im Überblick
- keine astromodifizierte Kamera notwendig
- keine Filter notwendig
- mit Brennweiten von 200-600mm zu fotografieren
- gute Ergebnisse mit wenig Belichtungszeit
- einfach am Himmel zu finden (sogar mit bloßem Auge sichtbar)
Benötigtes Equipmet
- Stativ
- Kamera
- Objektiv (Brennweitenbereich 200-600mm) je nach Verfügbarkeit
- Fernauslöser (Programmierbar) für Intervallaufnahmen
- Nachführung
3. Bonus – Antares Region
Die Antares-Region ist eine der farbenfrohesten vielseitigsten Gebilde an unserem Nachthimmel und befindet sich im Sternbild Skorpion in einer Entfernung von etwa 500 Lichtjahren.
Sie besteht aus einem Kugelsternhaufen, Dunkelnebeln, blauen und gelben Reflexionsnebeln sowie Wasserstoffnebeln.

Durch die Position der Antares-Region direkt neben dem Milchstraßenzentrum, lässt sich diese ideal damit kombinieren.

Vorteile im Überblick
- keine astromodifizierte Kamera notwendig
- keine Filter notwendig
- mit Brennweiten von 100-200mm zu fotografieren
- gute Ergebnisse mit wenig Belichtungszeit
- einfach am Himmel zu finden
Benötigtes Equipmet
- Stativ
- Kamera
- Objektiv (Brennweitenbereich 100-200mm) je nach Verfügbarkeit
- Fernauslöser (Programmierbar) für Intervallaufnahmen
- Nachführung

Thematisch passend wurde hier die Antares-Region über einer der Sternwarten auf La Palma fotografiert.
Die Antares Region kannst du optional mit und ohne astromodifizierte Kamera fotografieren.
Mit astromodifizierten Kamera bekommst du zu den Dunkelnebeln und den tollen gelben und blauen Farben der Reflexionsnebel zusätzlich noch die roten Wasserstoffnebel.
Ein kleiner Nachtteil dieses Objekts ist der niedrige Stand über dem Horizont. Selbst zu optimalen Zeit, erreicht das Objekt in unseren Breitengraden kaum mehr als 10-15° Höhe über dem Horizont.
Eine Reise in den Süden, Beispielsweise auf die kanarischen Inseln lohnt sich hier. Dort steht die Antares Region deutlich höher.
Jedoch ermöglicht die horizontnahe Position des Objektes tolle Astro-Landschafts-Aufnahmen, in denen man das Objekt mit der Landschaft kombinieren kann.





