Blaue Stunde im Landschaftspark Duisburg
In die Nacht im Landschaftspark Duisburg – Ein industrieller Naturraum für das Ruhrgebiet
Der Landschaftspark Duisburg bietet zu jeder Jahreszeit einen unerschöpflichen Fundus für die Fotografie. 1903 in Betrieb genommen, endete die Produktion des Thyssen-Werkes infolge der Stahlkrise im Jahr 1985. Zu einem Glücksfall für die Region wurden die brachliegenden Industrieanlagen durch ein Zukunftsprogramm des Landes NRW. Im Rahmen der internationalen Bauausstellung Emscher Park wurde der Landschaftspark Duisburg-Nord geschaffen, der international große Beachtung gefunden hat und für die britische Tageszeitung „The Guardian“ zur weltweiten Top 10 gehört.
Seine monumentale Wirkung verdankt der Park der Idee der Landschaftsarchitekten Peter Latz + Partner, die ihrer Bestimmung nach ausgedienten Anlagen zu erhalten und durch die Neuordnung von Wegbeziehungen und Erschließung durch Treppen, Terrassen und Plätzen in einen Landschaftspark zu integrieren. In einen Park, der nicht nur wegen seiner Industriearchitektur ein ganz besonderer ist.
Die kahlen, schutt- und asphaltbelegten Böden und die Wärme, die sich im Sommer zwischen den Stahlbetonwänden hält, eröffnen einen einzigartigen Lebensraum. Unzählige wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten haben sich angesiedelt, Pionierpflanzen erschließen den kargen Boden für Buschflächen und Vorwaldbereiche. Die Flora und Fauna im Landschaftspark Duisburg ist so einmalig, dass sie sogar einen eigenen Oberbegriff bekommen hat: Industrienatur.

Doch es ist nicht nur ein weitläufiger Naturraum und ein Freilichtmuseum für Industriekultur, sondern auch ein Erlebnisort entstanden. Der Gasometer wurde in ein Tauchzentrum umgewidmet, der Deutsche Alpenverein baute einen Teil der Bunkeranlage zu einem Klettergarten um, es gibt einen Höhenkletterparcours, Open-Air-Kino-Vorstellungen, ein Amphitheater, den Spielplatz mit der Riesenröhrenrutsche und mehr.
Außerdem dient der Landschaftspark als Outdoor-Galerie für Plastiken, Videoinstallationen, Bilder und Fotografien – und ist selbst in Gänze ist zu einem gigantischen Kunstwerk geworden. Die langsam die Industrieanlagen überwuchernde Industrienatur bildet einen aufregenden Kontrast zu alterndem Stahl und Beton von Hochöfen, Gießhallen, Erzbunkern und Krananlagen. Im Sommer prägen das Grün der Blätter und Rostrot als Komplementärfarben das Bild, später im Jahr befeuert Herbstlaub die Motive. Im Winter sind es die Windungen von Ästen und Zweigen, die die Geradlinigkeit der Funktionsarchitektur brechen.
Wenn die Nacht beginnt, wird noch ein weiteres Kunstwerk sichtbar. Der Designkünstler Jonathan Park erschuf für den Landschaftspark eine raumgreifende Lichtinstallation. Ab Dämmerungseinbruch werden die Anlagen im Kern des Parks in farbiges Licht getaucht – Grün für Gas, Blau für Wasser und Rot für Feuer und Hitze. So wird nicht nur eine wieder ganz andere, spektakuläre Atmosphäre erzeugt, sondern auch ein Gefühl für die ehemaligen Funktionen der Anlagenteile vermittelt.
Themen
- Das Erbe des Ruhrgebiets als Freilichtmuseum – bei Tag, Dämmerung und Nacht
- Kunst, Natur und der Charme von Schwerindustrie
- Gestaltung von Architektur- und Industriefotografie
- Lichtinstallationen während der Blauen Stunde – ein Feuerwerk der Farben
- Alles, was Du über Fotografie mit Langzeitbelichtung wissen musst
- Einstieg ins Lightpainting
- Auch als Praxis-Refresher für Grundlagen der Fotografie geeignet

Hinweis: Je nach Wetterbedingung kann es zu Abweichungen im Ablauf kommen.
Ablauf
Nach der Begrüßung streifen wir für eine Weile durch den Landschaftspark Duisburg. Wir fangen die Stimmung der Anlage, die langsam von der Natur zurückerobert wird und hier und da mit einem Kunstwerk geschmückt ist, bei Tageslicht ein. Du bekommst Tipps zum Umgang mit den vorherrschenden Lichtverhältnissen und zur Umsetzung von Architektur- und Industriemotiven.
Danach machen wir eine Pause am Imbisstand, wo du alles Wissenswerte über die Langzeitbelichtung erfährst. Hier geht es sowohl um das Basis-Setup für Einsteiger als auch um Themen, die sich an Fortgeschrittene richten. Einsteiger bekommen eine Einführung in den manuellen Modus und stellen mit Hilfe des Trainers ihre Kameras passend für Blaue Stunde und Nachtfotografie ein. Fortgeschrittene haben jetzt die Gelegenheit, noch einmal zu einer kleinen Erkundungstour auf eigene Faust aufzubrechen und beispielsweise auf den Aussichtspunkt des Hochofens zu klettern.

Zur goldenen Stunde treffen wir uns wieder – langsam werden wir vom Fotografieren aus der Hand auf unsere Stative wechseln.
Bei der anschließenden Blauen Stunde präsentiert sich der Landschaftspark mit seinen Lichtinstallationen in besonders spektakulärer Weise.
Nachdem das Blau immer dunkler geworden ist und die beleuchtete Anlage vor einem schwarzen Nachthimmel steht, bekommst du zum Abschluss noch eine Einführung in das Thema Lightpainting.

Hinweise
- Der Landschaftspark Duisburg ist nicht barrierefrei. Du solltest keine Einschränkungen beim Gehen oder Treppensteigen haben.
- Achte auf trittsicheres Schuhwerk.
- Bringe eine ausreichend helle Taschenlampe mit, um in der Dunkelheit Stolperfallen und Pfützen sicher zu erkennen. Ideal ist eine Stirnlampe mit Rotlichtfunktion – sie ist auch bei der Einstellung deiner Kamera im Dunkeln sehr hilfreich.
- Dies ist ein reiner Outdoorkurs, und wir werden zwischendurch länger an einer Stelle stehen. Kleide dich daher unbedingt witterungsgerecht und im Winter sehr warm.
- Mütze, Handschuhe und eine Isolierflasche mit heißem Tee sorgen für Komfort bei kaltem Wetter.
- Für diese Veranstaltung setzen wir fotografische Grundlagen voraus!
- Du solltest den Kurs „Grundlagen der Fotografie I“ absolviert haben oder über vergleichbare Kenntnisse verfügen.
- Voraussetzung ist ein sicherer Umgang mit ISO, Blende und Belichtungszeit.
- Du solltest die Steuerung von Schärfentiefe durch Blende, Brennweite und Distanz beherrschen.

Equipment für den Workshop
Kamera:
- Erforderlich: Jede Spiegelreflex-Kamera oder spiegellose Systemkamera. Auch Kompakt- und Bridgekameras sind geeignet, wenn sie über einen manuellen Modus verfügen und mindestens 30 Sekunden Belichtungszeit eingestellt werden kann.
Objektiv:
- Erforderlich: Standard-Zoom-Objektiv mit einem Brennweitenbereich, der mindestens vom Weitwinkel bis zum leichten Tele reicht. In aller Regel erfüllt ein mit der Kamera mitgeliefertes Kitobjektiv diese Anforderung.
- Optional (falls vorhanden): Ultraweitwinkel-Zoom-Objektiv, Teleobjektiv, Festbrennweiten. Möchtest Du ausschließlich mit Festbrennweiten arbeiten, sollten sie den oben genannten Brennweitenbereich möglichst gut abdecken (z.B. 24mm + 35mm + 50mm bei einer Vollformatkamera).
Sonstiges:
- Erforderlich: Volle Akkus, Ersatzakkus, Speicherkarte mit genügend Speicherplatz (ca. 400 Bilder), Dreibein-Stativ mit mindestens 110cm Arbeitshöhe, Taschenlampe, sauberes Tuch, um Regen auf der Kamera abtupfen zu können
- Optional (falls vorhanden): Stirnlampe, Fernauslöser, Pol-Filter, Aufsteckblitz

